Seminar "Methodisches Handeln in der Kinder- und Jugendhilfe"
Lehrbeauftragter:
Christian Spatscheck
Wintersemester 04/05, DI von 8:30-11:00, Raum 117
Studiengang Sozialarbeit/Sozialpädagogik, 8.Semester
an der Alice-Salomon-Fachhochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik
Musterlösung
zum Beispielfall "Familie
Manthey" bezogen auf folgende aktualisierte
Aufgabenstellung (Zeit: 300 min):
1. Beschreibung
der Lebens- und Problemgeschichte
a) Zeichnen Sie ein Genogramm der Familie
b) Ergänzen Sie dieses Genogramm um alle relevanten beteiligten öffentlichen
Stellen
2. Beschreibung:
Durchführung einer Problem- und Ressourcenanalyse (nach der Systemischen
Denkfigur nach Kaspar Geiser):
a) Erfassen Sie die Ausstattungssituation der Ihrer Meinung nach relevanten
Personen (nutzen Sie hierzu Blätter der Vorlage 1)
b) Erfassen Sie die Austauschbeziehungen zwischen den Ihrer Meinung nach relevanten
Personen (nutzen Sie hierzu Blätter der Vorlage 2)
c) Ermitteln Sie die relevanten Machtbeziehungen zwischen den Ihrer Meinung
nach relevanten Personen (nutzen Sie hierzu Blätter der Vorlage 3)
3. Bewertung:
Ermitteln und benennen der relevanten Probleme und Ressourcen
a) Formulieren Sie Ihre zentralen Hypothesen zur Problemsituation
b) Stellen Sie bezüglich der genannten Hypothesen jeweils eine Prognose,
welche Situationen zu erwarten sind, wenn zukünftig nicht interveniert
wird.
c) Benennen Sie die zu bearbeitenden Probleme. Begründen Sie diese jeweils
mit dem Dreischritt Probleme - Normen - Werte
d) Wo sehen Sie bei den von Ihnen ermittelten Problemen Ressourcen der Betroffenen?
Benennen sie diese jeweils zu den formulierten Problemen.
e) Gewichten Sie die von Ihnen ermittelten Probleme in der Reihenfolge der Dringlichkeit
4. Festlegen
der Ziele: Ableiten und Formulieren der Ziele anhand der verletzten Werte
a) Welche Ziele setzen Sie anlässlich der formulierten verletzten Werte
für die Beteiligten und sich?
b) Wie können die ermittelten Ressourcen zur Erreichung dieser Ziele mit
einbezogen werden?
5. Handlungsplanung:
Wahl der Methoden und Maßnahmen
a) Welche Formen der Hilfe schlagen Sie vor, um die angestrebten Ziele zu erreichen?
Bilden Sie aus den im KJHG vorgesehenen Möglichkeiten ein Angebot. Begründen
Sie die Wahl der Maßnahme auch in rechtlichem Sinne nach KJHG. Arbeiten
Sie heraus, welche Methoden der Sozialen Arbeit dazu einsetzt werden sollten
und wie die Ressourcen einbezogen werden könnten.
6. Evaluation
a) Wie könnten die von Ihnen vorgeschlagenen Maßnahmen und Methoden
in Effektivität und Effizienz evaluiert werden?
b) Angenommen, die von Ihnen vorgeschlagene Hilfe läuft bereits sechs Monate
und bei einer Hilfekonferenz stellen Sie fest, dass bisher keines der vereinbarten
Ziele bzw. Teilziele erreicht wurden, wie würden Sie reagieren?
Bitte beachten:
-Alle erhaltenen Blätter müssen am Schluss abgegeben werden.
-Bitte alle benutzten Blätter mit Namen beschriften.
Viel Erfolg!!!

| E/M: | -laut
Diagnose: psychosozialer Stress, möglicherweise überfordert/ hat
vermutlich schwierige Kinder -fühlt sich von Ralf provoziert/ scheint beste Beziehung zu Franka zu haben/ angesp. Verhältnis zur Mutter -Erfahrung des sexuellen Missbrauchs -Psychosoziale
Stresssituation wird als Ursache für Krankheitsbild betrachtet |
| R: | ![]() |
A:
-trinkt regelmäßig Alkohol, erschien alkoholisiert zum Gespräch im Amt -will als Altenpflegerin arbeiten -setzt sich für ihre Kinder ein, "kann kämpfen wie ein Löwe", Rangeleien auf Straße -meldet sich nicht mehr zu Gesprächen in der Schule/geht nicht zu Elternabenden -ist bereit für Zusammenarbeit mit JA |
| Ui:
39 Jahre, weiblich, -krank (verm. Schlaganfall, vorher: ohnmächtig, Schwindel u. Kreislaufprobleme, kann sich nicht mehr an Situation erinnern, Folgeerscheinungen: linksseitige vorübergehende Lähmung, voraussichtlich behandelbar -Blutwerte und vergrößerte Leber weisen auf regelmäßigen Alkoholkonsum hin -sexueller Missbrauchs, als Jgdl. über mehrere Monate durch Partner der Mutter |
Ue:
-Seit 10 Tagen im Krankenhaus "Zum Waldfrieden", Sozialarbeiterin
Frau Fuchs,
-4 Kinder, alleinerziehend, 4 versch. Väter der Kinder (kein Kontakt),
2 ½ Zi. Neubauwohnung in 14. Etage, Wohnlage "problematisch"
-hat selbst 2 Brüder eine Schwester, Mutter trennte sich von Mann, neuer
Partner der Mutter missbrauchte sie und ihre Schwester mehrere Montate sexuell
als Jgdl.
-Arbeitslos, Sozialhilfe, Kindergeld, Unterhaltszahlungen, Freunde und Nachbarn,
-Seit 17 Jahren Kontakt zum Jugendamt
-Ab morgen wieder zuhause, Angebot für Neurologische Praxis (Koordination
der Behandlung), Ambulanz (Physio- und Psychotherapie, 4 Wochen)
Austauschpotential: Verhältnis zu Kindern, Hilfenetz, Kontakte zu
Nachbarn und Freunden
Machtpotential: gering, da knappe Mittel, wenig formellen Einfluss, krank,
belastet
| E/M: | -Mutter
setzt sich für Kinder ein, wirkt aber auch überfordert -Lehrerin mag ihn ("nett und bedürftig"), macht sich Sorgen um ihn -Mutter im Krankenhaus, gelähmt, unklar ob sie gesund wird, -Mutter hat
wenig Zeit und muss wieder gesund werden |
| R: | ![]() |
A:
-nässt gelegentlich ein |
| Ui:
-10 Jahre, männlich, -Sprachentwicklungsstörung, dicker als andere Kinder |
Ue: -lebt
bei Mutter, hat 3 Geschwister, 2 ½ Zi. Neubauwohnung in 14. Etage, Wohnlage
"problematisch"
-Kein Kontakt zum Vater, Mutter alleinerziehend, anderer Vater als Geschwister,
auch seine Geschwister haben keinen Kontakt zu Vätern
-Schule: 4. Klasse, Integrationsschule, Lehrerin Frau Müller setzt sich
für ihn ein, Schulpsychologischer Dienst begutachtet ihn
-Mutter derzeit im Krankenhaus, Versorgung durch Nachbarn und Freunde
Austauschpotential: gering (wenig Kontakt, Freunde unbekannt), potentiale:
Lehrerin und Hilfsorganisationen
Machtpotential: gering, ist stark abhängig und auf Zuwendung und
Mitleid, Macht allenfalls moralisch
| E/M: | -erhält
Druck von Schule -erhielt Fürsprache von JGH, Verfahren dadurch + durch sein Verhalten eingestellt -angespanntes Verhältnis zur Mutter, -denkt, er
sei das "schwarze Schaf" in der Familie, |
| R: |
![]() |
A:
-hat im Kaufhaus gestohlen -war bereit Freizeitarbeiten zu leisten -unternimmt viel mit Franka |
| Ui:
15 Jahre, männlich, soweit bekannt gesund |
Ue:
-lebt bei Mutter, hat 3 Geschwister, 2 ½ Zi. Neubauwohnung in 14. Etage,
Wohnlage "problematisch"
-Kein Kontakt zum Vater, Mutter alleinerziehend, anderer Vater als Geschwister,
auch seine Geschwister haben keinen Kontakt zu Vätern
-Hauptschule, 8. Klasse
-Mutter derzeit im Krankenhaus, Versorgung durch Nachbarn und Freunde
Austauschpotential: gering, positiv: guter Kontakt zu Schwester, Hilfe
bei JGH
Machtpotential: gering, eigentlich nur durch Provokation, hat sonst schlechten
Stand
2b) Analyse der relevanten Austauschbeziehungen: Frau Manthey und Rene Manthey sowie Frau Manthey und Ralf Manthey
| Frau Manthey | Beschreibung der Interaktionen und Austauschmuster | Rene Manthey | Anmerkungen der Sozialarbeiterin |
| Ui
Umwelt intern Kontakt im körperl. Sinne |
Soweit bekannt normaler Austausch | Ui
Umwelt intern Kontakt im körperl. Sinne |
|
| Ue
Umwelt extern Gütertausch (Sozioökonomisch/-ökologisch/-kulturell) |
-Mutter sorgt
für Renes Ausstattung, durch ihre belastete Situation und Krankheit
kann sie sich jedoch evtl. nicht so um ihn kümmern, wie nötig
(knappe Wohnung, wenig Geld, Schule/evtl. auch Förderung und Zuwendung/Übergewicht) |
Ue
Umwelt extern Gütertausch (Sozioökonomisch/-ökologisch/-kulturell) |
|
|
E
Erkennen und Erleben M
Modelle |
-Rene
wünscht sich vermutlich mehr Zuwendung von Mutter -Frau Manthey will ihm diese vermutlich geben, erlebt aber ihre persönlichen Grenzen (Renes Schwierigkeiten) -Rene weiss,
dass seine Mutter schwer krank ist, dennoch will er vermutlich gerne mehr
Zuwendung von ihr |
E
Erkennen und Erleben M
Modelle |
Feststellungen sind mangels gesicherter Information nur Vermutungen |
| A
Aktion Kooperation |
-Wenig
bekannt über gemeinsame Aktivitäten -Ebenso unklar, ob und wie sehr ihr Alkoholkonsum ihren Kontakt zu Rene beeinflusst |
A
Aktion Kooperation |
Zur Mitarbeit bereit |
Gesamtbeurteilung: Insgesamt zeichnet sich eine deutliche Schieflage ab, Rene bräuchte von Frau Manthey vor allem mehr Zuwendung, Förderung und Versorgung, angesichts ihrer knappen ökonomischen Lage und ihrer hohen Belastung durch ihre Erziehungsaufgaben und Krankheit kann Frau Manthey diese vermutlich nicht erfüllen.
| Frau Manthey | Beschreibung der Interaktionen und Austauschmuster | Ralf manthey | Anmerkungen der Sozialarbeiterin |
| Ui
Umwelt intern Kontakt im körperl. Sinne |
Soweit bekannt normaler Austausch | Ui
Umwelt intern Kontakt im körperl. Sinne |
|
| Ue
Umwelt extern Gütertausch (Sozioökonomisch/-ökologisch/-kulturell) |
-Mutter
sorgt für Ralfs Ausstattung, durch ihre belastete Situation und Krankheit
kann sie sich jedoch evtl. nicht so um ihn kümmern, wie nötig
(knappe Wohnung, wenig Geld, Schulprobleme)
|
Ue
Umwelt extern Gütertausch (Sozioökonomisch/-ökologisch/-kulturell) |
|
|
E
Erkennen und Erleben M
Modelle |
-Gemeinsame
Streitgeschichte beeinflusst gegenseitigen Kontakt zwischen Ralf und Frau
Manthey -Ralf bräuchte Unterstützung beim Bewältigen seiner Schulsituation/ seines Diebstahls -Frau Manthey bräuchte Entlastung bei der Erziehung und durch ihre Krankheit -vermutlich wissen beide, dass sie derzeit dazu nicht in der Lage sind |
E
Erkennen und Erleben M
Modelle |
|
| A
Aktion Kooperation |
-Außer
Streit wenig bekannt über gemeinsame Aktivitäten -Unklar, ob und wie sehr ihr Alkoholkonsum ihren Kontakt zu Ralf beeinflusst |
A
Aktion Kooperation |
Gesamtbeurteilung: Sowohl Frau Manthey als auch Ralf sind mit ihrer Situation sehr belastet und dadurch bei einer optimalen Gestaltung einer fairen Austauschsituation gehindert. Ihre vermutlich mittlerweile schon festgefahrenen Streitpunkte erschweren Situation zusätzlich.
2c) Analyse der relevanten Machtbeziehungen: Frau Manthey und Ralf Manthey
| Machtquellen Frau Manthey | Beschreibung der Interaktionen und Machtmuster | Machtquellen Ralf Manthey | Anmerkungen der Sozialarbeiterin |
| Physische
Macht (Quelle: Ui) |
-Soweit
bekannt keine Gewaltausübung
-Mutter
kann durch (körperlich bedingte) Krankheit moralischen Druck auf
Ralf ausüben |
Physische
Macht (Quelle: Ui) |
|
| Sozioökonomische Macht (Quelle: Ue) | -Ralf ist ökonomisch abhängig von Mutter, insbes. bzgl. enger Wohnung, knapper wirtschaftlicher Lage | Sozioökonomische Macht (Quelle: Ue) | |
|
Artikulationsmacht
|
-Mutter
muss als "gute Mutter" auch für schwierigen Sohn sorgen,
kommt dabei gleichzeitig an Grenzen (krank, knappe Mittel
-Mutter
definiert vermutlich die Standards: Schulerfolg + Straffreiheit, evtl.
auch weitere |
Artikulationsmacht
|
|
| Positionsmacht (Quelle: A)
|
-Ralf kann
als Jugendlicher abgrenzen und durch Fehlverhalten (Schule/Diebstahl)
provozieren -Ralf hat guten Kontakt zu Franka, Hilfe bei JGH |
Positionsmacht (Quelle: A)
|
Fehlverhalten als Signal dafür, dass er zu kurz kommt? |
Gesamtbeurteilung: Ralf ist deutlich abhängig von Mutter (ökonomisch und moralisch), hat jedoch in Verhalten und im Wissen über ihre derzeitige Belastung auch Machtmittel gegen sie in der Hand.
3) Erlärung und Bewertung:
3a) Hypothesen zur Problemsituation
Rene
zeigt Auffälligkeiten (Entwicklungsschwierigkeiten, einnässen,
evtl. Übergewicht) weil er folgende Bedürfnisse nicht befriedigen
kann:
o er erhält wenig Zuwendung von seiner kranken und überforderten
Mutter, diese knappe Zuwendung muss er mit drei anderen, nicht gerade einfachen,
Geschwistern teilen
o die Familie lebt sehr beengt in einer kleinen Wohnung, er erhält
wenig Raum für Rückzug
o Seine Mutter ist schwer krank und momentan nicht zuhause, vermutlich macht
er sich sorgen, wie es mit ihr weiter geht
o er hat keine Vaterfigur in der Familie (gibt es eine andere?)
o durch seine Schwierigkeiten in der Schule erhält er dort vermutlich
eher wenig Bestätigung
Frau
Manthey ist mit ihrer Lebens- und Familliensituation überfordert
weil:
o sie 4 Kinder erziehen muss, die viel von ihr fordern (hörbehindert/
straffällig, Schul-probleme, angespanntes Verhältnis/ Entwicklungsauffällig)
o sie ihre eigene Familiengeschichte bewältigen muss (Missbrauchserfahrung,
4 ehemalige Partner, angespanntes Verhältnis zur eigenen Mutter)
o sie krank ist (Schlaganfall, Lähmungen, Folgebehandlungen + Alkohol?)
o sie ökonomisch belastet ist (wenig Geld, kleine Wohnung, möchte
gerne arbeiten und kann nicht)
o sie Konflikte mit Nachbarn hat, bei denen sie "wie ein Löwe
kämpfen muss"
Frau Mantheys Schlaganfall scheint zumindest durch die genannten
psychosozialen Stressfaktoren mit begründet
Ralf
zeigt Auffälligkeiten (Straffälligkeit, Schulschwierigkeiten,
provozierendes Verhalten gegenüber der Mutter), weil er folgende Bedürfnisse
nicht befriedigen kann:
o durch das zerrüttete Verhältnis und ihre Überlastung erhält
er wenig Zuwendung von der Mutter,
o gleichzeitig sieht er, dass Franka ein besseres Verhältnis zur Mutter
hat
o er erhält viel Druck und vermutlich wenig Anerkennung in der Schule
o durch seinen Diebstahl und die drohende Verurteilung erhält er zudem
Ablehnung
o er findet derzeit keine Vaterfigur im Haushalt (gibt es eine andere?)
o durch die enge Wohnung hat er wenig Raum für Rückzug und Erholung
Rene:
Die weitere psychosoziale und schulische Entwicklung Renes wäre deutlich
gefährdet. Die genannten Tendenzen mangelnder Bedürfnisbefriedigung
in Familie und Schule würden vermutlich weiter anhalten (durch die
kranke Mutter sogar zunehmen) und zu einem Fortbestand bzw. Zunahme seiner
genannten Probleme führen.
Wenn Fr. Mantheys Überforderung nicht reduziert wird, droht
die Situation zu eskalieren, sie
o kann nicht ausreichend für die hohen Anforderungen ihrer Kinder sorgen
o wird weiterhin durch ihre eigene Familiengeschichte belastet sein
o wird ohne Änderung nicht gesund werden
o wird weiterhin mit ökonomischer Knappheit leben müssen, kann
nur arbeiten, wenn sie wieder gesund wäre und Versorgung der Kinder
erreicht wird
o wird weiterhin in Konflikte mit Nachbarn kommen
Ralfs Schwierigkeiten mit der Mutter und in der Schule drohen zuzunehmen,
weil die Mutter durch ihre Krankheit zusätzlich belastet ist. Die bereits
schwierige Situation in der Familie droht sich deshalb zu verschärfen.
Ohne Änderung würden sich seine Schulergebnisse nicht verbessern.
Eine erneute Straffälligkeit wäre denkbar, aber sicher nicht zwangsläufig
Problem
a): Renes psychosoziale und schulische und körperliche Entwicklung
ist gefährdet:
-er gilt als "entwicklungsverzögert" und scheint zu wenig
Zuwendung und Förderung zu bekommen
-er nässt immer noch ein
-er tendiert zu Übergewicht
verletzte Normen: Eine Mutter gibt einem Kind Zuwendung, Förderung,
Sicherheit und genug Raum für Erholung und Rückzug/ ein 10jähriger
nässt nicht ein/ Kinder haben kein Übergewicht/ Jedoch: was an
Renes Entwicklung genau "verzögert" oder "besorgniserregend"
muss jedoch noch geklärt werden
Werte: Zuwendung/ Erziehung/ Sicherheit/ materielle Versorgung/ Erholung/
körperliche Gesundheit/ Bildung/ persönliche psychische Entwicklung
noch zu klären: Welche Probleme sieht die Lehrerin genau? Sind
diese zutreffend?
Problem
b) Frau Manthey ist mit ihrer Familien- und Lebenssituation überlastet,
sie
-kann nicht umfassend für ihre Kinder sorgen
-ist durch ihre unbewältigte Familiengeschichte belastet
-kann sich von ihrem Schlaganfall nicht ideal erholen
-sie steht in Verdacht, zu viel Alkohol zu konsumieren
-ist in einer schwierigen ökonomischen Lage
-hat Konflikte mit den Nachbarn
verletzte Normen: Mutter sorgt altersgerecht für ihre Kinder/
Eltern fördern ihre Kinder und achten deren Bedürfnisse/ Kranke
haben Recht auf Erholung/ Alkohol darf nur kontrolliert konsumiert werden/
Familien erwirtschaften genug Geld um davon Leben zu können/ Konflikte
müssen konstruktiv geregelt werden
Werte: Erziehung/ Fürsorge+Respekt/ Gesundheit/ Eigenverantwortung/
Versorgung+Sicherheit/ Gewaltfreiheit
noch zu klären: Liegt wirklich ein Alkoholproblem vor?
Problem
c): Ralfs schulische und psychosoziale Entwicklung ist gefährdet,
-sein Schulerfolg ist in Gefahr (Versetzung gefährdet, schlechte Noten)
-er hat ein belastetes Verhältnis zu seiner Mutter
-er war straffällig (Kaufhausdiebstahl)
verletzte Normen: Schüler erreichen gute Noten und das Klassenziel/
Kinder und Eltern gehen konstruktiv miteinander um/ Eltern fördern
ihre Kinder/ Gesetze werden beachtet, Dinge im Kaufhaus werden gekauft und
nicht gestohlen
Werte: Bildung+Berufliche Perspektive/ Erziehung/ Respekt und Zuneigung
vs. gegenseitiges Recht auf Kritik, Recht des Pubertierenden auf Abgrenzung
von der Mutter/ Gesetzestreue und Eigentum
Abwägung zu Konflikten: Kritik und Abgrenzung nur so weit tolerierbar,
wie Respekt und Fairness erhalten bleiben
zu klären: Wo liegen die Anteile der Schule an den Schulproblemen?
4.1 Frau
Manthey ist mit ihrer Familien- und Lebenssituation überlastet:
Verletzte Werte: Erziehung/ Fürsorge+Respekt/ Gesundheit/ Eigenverantwortung/
Versorgung+Sicherheit/ Gewaltfreiheit (anhand 3c)
a) Ziele: (- = Ziele, o = Teilziele)
-Entlastung der Mutter
o Entlastung und Hilfe bei der Erziehung ihrer 4 Kinder
o Klärung/Aufarbeitung der eigenen Familiengeschichte (falls sie
dazu bereit ist)
o Überwindung ihrer gesundheitlichen Probleme + Klärung Alkohol
o schaffen von ökonomischen/materiellen Entlastungen, insbes. größere
Wohnung
o Thematisierung der Situation mit den Nachbarn/ Entwickeln von Strategien
für Konflikte
b) Ressourcen:
Fr. Manthey scheit bereit, Hilfe anzunehmen/ Hilfeangebote des Jugendamtes/
Beratungsstellen/ Ambulanz/ Neurologische Praxis/ möglicherweise
zusätzliche Quellen für materielle Hilfen/ Nachbarn und Freunde
4.2 Renes psychosoziale und schulische Entwicklung ist
gefährdet
verletzte Werte: Zuwendung/ Erziehung/ Sicherheit/ materielle Versorgung/
Erholung/ körperliche Gesundheit/ Bildung/ persönliche psychische
Entwicklung (anhand 3c)
a) Ziele:
-Verbesserung von Renes psychosozialer Entwicklung
o mehr Kontakt und Zuwendung (durch Erwachsene und Gleichaltrige)
o mehr Förderung und Forderung (durch Erwachsene und Gleichaltrige)
o Reduzierung / Verhinderung seines Einnässens
-Verbesserung von Renes schulischer Entwicklung
-Verbesserung von Renes körperlicher Entwicklung: Falls nötig:
Reduzierung seines Übergewichts
b) Ressourcen:
Lehrerin/ Schulpsych. Dienst/ Zusammenarbeit mit der Mutter/ Geschwister?/
Freunde?/ Mögl. Angebote: Jugendfreizeiteinrichtungen, Vereine, Hort/
Nachbarn und Freunde der Familie?
4.3 Ralfs
psychosoziale Entwicklung ist gefährdet
verletzte Werte: Bildung + Berufliche Perspektive/ Erziehung/ Respekt
und Zuneigung vs. gegenseitiges Recht auf Kritik, Recht des Pubertierenden
auf Abgrenzung von der Mutter/ Gesetzestreue und Eigentum (anhand 3c)
a) Ziele:
-Entlastung seines Verhältnisses zur Mutter
-Verbesserung der schulischen Leistungen
-Straffreiheit
b) Ressourcen:
Hilfeangebote des Jugendamtes/ Schularbeitshilfe/ entlastende Freizeitangebote:
Jugendfreizeiteinrichtungen, Vereine/ guter Kontakt zur Schwester/ gibt
es Freunde?/ Nachbarn und Freunde der Familie?
5. Handlungsplanung: Wahl der Maßnahmen und Methoden
5.1.
Wer sind die Leistungsberechtigten?
-Frau Manthey als Sorgeberechtigte der Kinder Sabine, Ralf, Franka und
Rene
-Die Väter der Kinder, wenn diese ihr Interesse an Wahrnehmung elterlicher
Sorgen melden würden
5.2
Feststellen der Indikation nach §27 Abs. 1
-Bedarf: Angesichts der in 3c formulierten Probleme/verletzten
Werte ist eine dem Wohl der Kinder Rene und Ralf entsprechende Erziehung
nicht gegeben.
-Eignung und Notwendigkeit: Die in Punkt 5.3 vorgeschlagenen Hilfeangebote
sind geeignet und notwendig, eine dem Wohl der beiden Kinder entsprechende
Erziehung wieder herzustellen. Eine Orientierung an den unter 4a formulierten
Zielen soll stattfinden und nach Anlaufen der Maßnahme überprüft
werden.
5.3
Hilfeplanung
5.3.1 Wie wurden die relevanten Kinder/Jug beteiligt?
-Ralf und Rene, wurden angehört, sollen bei weiteren Gesprächen
noch genauer befragt werden
-Die beiden anderen Kinder Sabine und Franka sollen zunächst kein
zusätzliches Hilfeangebot bekommen
5.3.2
Wie wird Wunsch- und Wahlrecht gewahrt?
-Frau Manthey wird im nächsten Gespräch nochmals ausdrücklich
über ihre Wunsch- und Wahlrechte informiert
5.3.3
Haben alle relevanten Beteiligten zusammen gearbeitet?
-Ja, neben Familienmitgliedern wurden auch Klinik, Lehrerin, Psychiatrie
mit einbezogen.
-Väter der Kinder waren bislang nicht an Zusammenarbeit interessiert,
da für das Wohl der Kinder ein Einbezug der Väter zunächst
nicht hilfreich erscheint, wurden diese nicht angefragt.
5.3.4 Welches Hilfeangebot wird vorgeschlagen?
5.3.4.1
Vorbereitende Gespräche
Bezüglich Problem b): (Frau Manthey ist mit ihrer Familien- und Lebenssituation
überlastet):
a) Wo liegen Schwierigkeiten bei der Erziehung der Kinder?
b) Wo könnte Entlastung und Hilfe erhalten werden (formell und informell)?
c) Sieht sie ihre eigene Familiengeschichte als belastend an, ist sie
ggf. bereit für eine Aufarbeitung?
d) Wo sieht sie ihre gesundheitlichen Probleme? Wie könnte sie diese
überwinden?
e) Wie sieht sie ihren Alkoholkonsum?
f) Möchte sie materielle Entlastung? Wie könnte diese aussehen?
g) Einholen weiterer Informationen bei der Klinik, Neurologischen Praxis
und Ambulanz
Bezüglich
Problem a): (Renes psychosoziale und schulische und körperliche Entwicklung
ist gefährdet):
a) Gespräch mit Frau Manthey über die schulische und persönliche
Entwicklung von Rene (Welche Probleme sieht sie? Wie könnte ggf.
Entlastung geschaffen werden?)
b) Einholen weiterer Informationen bei der Lehrerin und ggf. Schulpychologischem
Dienst
c) Befragung von Rene, falls hilfreich
Bezüglich
Problem c): (Ralfs schulische und psychosoziale Entwicklung ist gefährdet):
a) Gespräch mit Frau Manthey über ihr Verhältnis zu Ralf
und dessen schulische Entwicklung
b) Gespräch mit Ralf über seine Sicht auf die Dinge
c) Falls hilfreich: Anfrage zur Situation bei Ralfs Lehrern und JGH
5.3.4.2
Einholen weiterer Informationen
bei der Klinik, Neurologischen Praxis und Ambulanz:
-Kontaktaufnahme zu Renes Lehrerin/ Schulpschologischem Dienst
-Kontaktaufnahme zu Ralfs Schule/JGH
5.3.4.3 Maßnahmenvorschläge als Gesamtpaket
Maßnahmenvorschlag 1 für Frau Manthey, Rene und Ralf: Soz.päd. Familienhilfe nach §31 KJHG
Aufgaben:
" Entlastung von Frau Manthey im Haushalt durch Übernahme von
Aufgaben
" Finden weiterer zukünftiger Entlastungsmöglichkeiten
" Unterstützung im Umgang mit Ambulanz/Praxis/ggf. Kassen/Reha/etc.
" Entspannung des Verhältnisses Mutter zu Ralf/ Unterstützung
für Ralf
" Begleitung von Rene
" Hilfe beim Suchen einer größeren Wohnung
Hilfreiche Methoden:
Kenntnisse und Wissen über Familien- und Gruppendynamik/ hier evtl.
sogar Familientherapie/ Gesprächsführung/ Spiel- oder Freizeitpädagogische
Fähigkeiten für Angebote mit den Kindern/ unterstützendes
Casemanagement im Bereich Familie, Gesundheit, Haushalt, Wohnen, hierzu
wichtig: Fähigkeit zur Unterstützung lebenspraktischer Belange
im Haushalt, Wissen über Gesundheitssystem und Möglichkeiten
f. besseres Wohnen/ Unterstützend: Supervision für die ausführende
FamilienhelferIn.
Maßnahmenvorschlag 2 für Frau Manthey: Erziehungsbeistand für Rene (§30 KJHG)
Aufgaben:
" Fördernder Sozialkontakt für Rene
" Entlastung der Familie
" Klärung des Umfangs seiner "Entwicklungsverzögerung"
" Erarbeitung eines Konzeptes/Strategie für das Reduzieren des
Einnässens
" Zusammenarbeit mit Familienhilfe und weiteren Helfern
Hilfreiche Methoden:
Einzelfallhilfe, Beratung, Systemische Familientherapie, spiel- und freizeitpädagogische
Angebote (Sport, Kultur), Erlebnispädagogik, Unterstützend:
Supervision für die ausführenden Erziehungsbeistand
Maßnahmenvorschlag
3 für Frau Manthey, Rene und Ralf: Nutzen weiterer Hilfemöglichkeiten
Aufgaben:
" Unterstützung der Familie beim Finden einer größeren
Wohnung (falls gewünscht)
" Finden einer Schularbeitshilfe für Ralf
" Finden von Freizeitangeboten für alle Kinder (Vereine, Freizeiteinrichtungen)
" Versuch, die Freunde und Nachbarn einzubeziehen, Zunächst:
Klärung mit Frau Manthey
Hilfreiche Methoden:
Gute Kenntnisse der sozialen Infrastruktur, Netzwerkarbeit, Gesprächsführung,
Begleitung im Sinne von Coaching
6a) Wie könnten die von Ihnen vorgeschlagenen Maßnahmen und Methoden in Effektivität und Effizienz evaluiert werden?
Wann
wird die Hilfe überprüft?
-Erstes Gespräch mit Familienhelferin und Erziehungsbeistand nach 2
Monaten
-Erneutes Hilfeplangespräch nach 6 Monaten
-Geplante Laufzeit: Familienhilfe: 12 Monate (ggf. Verlängerung), Erziehungsbeistand:
12 Monate (ggf. Verlängerung)
Wie
wird die Effektivität und Effizienz der Hilfe überprüft?
-Persönliche Gespräche mit Frau Manthey, Ralf, Rene (ggf. auch
Franka und Sabine), Familienhelferin, Erziehungsbeistand
-Gespräche mit Lehrer von Rene und Ralf telefonisch.
Hierbei
Klärung folgender Fragen:
Bezüglich Problem b) (Frau Manthey ist mit ihrer Familien- und Lebenssituation
überlastet):
-Wurde eine Entlastung Frau Mantheys bezüglich der in 4.1 formulierten
Teilziele erreicht?
(Entlastung und Hilfe bei der Erziehung/ Klärung ihrer eigenen Familiengeschichte/
Überwindung gesundheitlicher Probleme + Klärung Alkohol/ ökonomische
und materielle Entlastung/ finden einer geeigneteren Wohnung/ Entwickeln
von Strategien für Konflikte mit Nachbarn)
Bezüglich
Problem a): (Renes psychosoziale und schulische Entwicklung ist gefährdet):
-Wurde Renes psychosoziale, schulische und körperliche Entwicklung
verbessert? (mehr Kontakt und Zuwendung, mehr Förderung und Forderung,
Reduzierung des Einnässens, Verbesserung schulischer Entwicklung, Verbesserung
körperlicher Entwicklung)
Bezüglich
Problem c): (Ralfs psychosoziale Entwicklung ist gefährdet):
-Wurde Ralfs Verhältnis zur Mutter entlastet? Haben sich seine schulischen
Leistungen verbessert? Blieb er straffrei?
6b) Angenommen, die von Ihnen vorgeschlagene Hilfe läuft bereits
sechs Monate und bei einer Hilfekonferenz stellen Sie fest, dass bisher
keines der vereinbarten Ziele bzw. Teilziele erreicht wurden, wie würden
Sie reagieren?
-Führen
von Gesprächen mit allen Beteiligten
-Feststellen der Ursachen, Entwickeln neuer Ziele
Möglichkeiten
für alternative Hilfeformen sind:
-Falls eine Intensivierung notwendig ist, wäre ein Aufstocken des Stundenumfangs
der Familienhilfe oder die Ausweitung der Erziehungsbeistandschaft mit einigen
Stunden für Ralf möglich.
-Zusätzlich wären Erziehungs- oder Gesundheitsberatung sowie eine
Kur für Frau Manthey denkbar.
-Falls sich Renes Zustand nicht bessert wäre ein Heranziehen einer
Kinder- und Jugendpsychiatrischen Einrichtung denkbar.
-Für Ralf wäre neben der ausgeweiteten Erziehungsbeistandschaft
auch das Suchen nach weiteren Freizeitangeboten und schulunterstützenden
Hilfen wie umfangreichere Schularbeitshilfe oder Ganztagesbetreuung denkbar.
Sollte eine erneute Straffälligkeit vorliegen, muss mit der Jugendgerichtshilfe
nach Perspektiven gesucht werden.